SoMa-WL

Souveränes, ärztlich gesteuertes, industrieunabhängiges und E- Health gestütztes Wund-Management in Westfalen Lippe –SoMa-WL

Das Projekt „SoMa-WL Wundmanagement“ vom Praxisnetz Medizin und Mehr eG (MuM) aus Bünde verfolgt das Ziel, mit Hilfe eines ärztlich gesteuerten, E-Health-gestützten Wundkonzepts Patienten sowohl vor Ort als auch bei Bedarf per elektronischer Visite (CGM ELVI) fachgerecht zu versorgen.

Die Inzidenz chronischer Wunden ist aufgrund der Zunahme der auslösenden Komorbiditäten (z.B. Diabetes mellitus, chronisch venöse Insuffizienz, p-AVK) mit steigendem Lebensalter der Bevölkerung zunehmend. Nach aktuellen Daten leben derzeit etwa eine Million Menschen mit chronischen Wunden in Deutschland.[1] Bei mehr als 2 Millionen Menschen liegt eine Wundheilstörung vor.[2] Diese Entwicklung hat auch die Industrie erkannt und durch alternative, Industrie-geförderte Direktansprache von Patientinnen und Patienten eine zweite Behandlungsebene unter Umgehung ärztlicher Steuerung geschaffen.

Die für den Behandlungserfolg relevante kritische Behandlung der Grunderkrankung bleibt oftmals hinter den Möglichkeiten zurück.  Bei unzureichender Behandlung der Erkrankung bleibt ein stabiler Markt für die Behandlung sekundärer Wunden folglich erhalten. Sowohl aus medizinischer als auch aus ökonomischer Sicht verursacht diese Entwicklung weitreichende Folgen und Kosten. Chronische Wunden verursachen nach Schätzungen derzeit jährliche Gesamtkosten von mindestens 8,1 Milliarden Euro.[3]

Projektbeschreibung

SoMa-WL wird durch den Einsatz netzeigener Wundexpertinnen zum ärztlich gesteuerten Wundkonzept. Dabei ermöglicht der Einsatz der elVi®, dass der Behandlungsprozess jederzeit in ärztlicher Hand bleibt und keine ärztliche Ressourcen für Wegezeiten aufgewendet werden müssen. Finanzielle Interessen und Beeinflussung der Versorgung durch industrielle Wundmanager entfallen. Die netzeigene standardisierte Wundbehandlung sichert Facharztstandard, ursachenorientierte Therapie, feste Ansprechpartner im Sinne eines Casemanagements und wirtschaftliche Verordnungen.

Der Projektzeitraum geht von Oktober 2018 bis Oktober 2020. An dem Projekt beteiligen sich derzeit 17 Ärztinnen und Ärzte aus dem Ärztenetz MuM – Medizin und Mehr eG (MuM).

Projektbeteiligte

Projektbeteiligte sind die behandelnden (Fach-)Ärztinnen und Ärzte, die Geschäftsführung und Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter des Ärztenetzes MuM, eine von der Netzzentrale eingestellte examinierte Wundexpertin, Spezialisten der Uniklinik Aachen, das örtliche Krankenhaus, die Patientinnen und Patienten (ambulant und stationär) und deren Angehörigen. Die Evaluation wird extern durch das ZTG begleitet

© Hanna-Retz-Fotografie

Prozesse

  • Die Beauftragung der Netz-Wundexpertin erfolgt durch Kontaktaufnahme aus der stationären oder ambulanten Versorgung.
  • Einschreibung der Patienten mit Einverständnis der multiprofessionellen und interdisziplinären Behandlung durch Wundexpertin mittels standardisierter Teilnahmeerklärungen.
  • Erfassung des Wundstatus und der bisher erfolgten Diagnostik durch Wundexperten gemeinsam mit behandelnden Ärzten. Zustandsdokumentation jeder einzelnen Wunde in der elVi®. Dem Wundexperten fällt dabei die Rolle des Casemanagers zu.
  • Fortlaufende Dokumentation der Wunden mittels Wundverlaufsbogen in der elVi®.
  • Information an bzw. Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, i.d.R. über elVi®, zusätzlich telefonisch.
  • Hinzuziehen von Ärzten mit Wundexpertise über Telewundkonsile, spätestens nach vier Wochen der Behandlung (Chirurgen, Dermatologen, Diabetologen oder Ärzte mit Ausbildung Wundmanagement).
  • Festlegung und Durchführung diagnostischer Verfahren durch den behandelnden Arzt
  • Festlegung und Verordnung der Wundbehandlung durch den Arzt; Verbandwechsel durch das Pflegepersonal (Pflegeheim oder ambulanter Pflegedienst) oder in der Arztpraxis
  • Rezeptausstellung durch den behandelnden Arzt.
  • Übersendung der Rezepte an den Kooperationspartner/ durch Patienten gewählte Apotheke für die Materiallieferung.
  • Lieferung direkt an die Pflegeeinrichtung bzw. den Patienten.
  • Regelmäßige Wundkontrollen durch Wundexpertin.
  • Unterstützung bei der Beauftragung eines Pflegedienstes, Koordination der Wundversorgung durch die Wundexpertin.
  • Abschluss der Versorgung mit Dokumentation statistischer Informationen in der elVi®.

Ziel

Ziel des Projektes ist die Implementierung und Erprobung eines industrieunabhängigen und ärztlich gesteuerten, standardisierten Wundmanagements zur Optimierung der Wundversorgung chronischer Wunden im ambulanten Bereich. Mit Einsatz einer netzeigenen Wundexpertin wird unter Berücksichtigung einer ursachenorientierten Behandlung der Grunderkrankung eine Verbesserung des Outcomes und der Wirtschaftlichkeit angestrebt. Das Wundkonzept ist für die Bereitstellung einer einheitlichen Dokumentation, die sektorenübergreifende, ortsunabhängige und an den Bedürfnissen von Wundpatientinnen und -patienten ausgerichtete Versorgung sowie für die Delegation des Wundmanagements an qualifizierte Wundexpertinnen und -experten ausgelegt.

Evaluation

Die Evaluation erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) anhand zuvor festgelegter Zielparameter.

Laut diesem Auswertungskonzept werden von dem Evaluationsinstitut deskriptiv- und interferenzstatistische Verfahren zur Untersuchung der Wundversorgung angewandt, um den Einfluss der Intervention (Casemanagement in der Wundversorgung und Einsatz von Telemedizin) auf das Outcome „Wundheilung“ zu messen und die gesundheitsökonomische Relevanz zu untersuchen.

[1] Dissemond J, Kröger K (2018). Chronische Wunden. Diagnostik – Therapie – Versorgung.(3).

[2] WZ-WundZentren GmbH (2019). Fachzeitschrift für das interprofessionelle Wundteam. 13. Jahrgang 2/2019. S. 61.

[3] Bonkowski T., Eder S., Forster J., Hoffmann-Tischner I., Protz K., Schmalzbauer M., Schwarzkopf A. Sellmer W., Temme B. (2019). Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden – Fokus Wundinfektion in der außenklinischen Versorgung. Fachzeitschrift für das interprofessionelle Wundteam. 13. Jahrgang 5/2019. S. 244-247.

Projekten wird das UKA im vorliegenden Vorhaben die Expertisen und Kompetenzen ihrer universitäreren und industriellen Partner weiter miteinander vernetzen.


Projektleitung:
MuM – Medizin und Mehr eG
Kontakt:

Annette Hempen MHBA

Geschäftsführerin

Tel : 05223 /98 56 20

Projektlaufzeit:
1.10.2018 – 31.9.2020
Verbund:

KVWL

ZTG Bochum

Förderung:
Das Vorhaben wird mit Fördermitteln der KVWL und aus Eigenmitteln der MuM eG finanziert.