Sprechstunde per Video: Startschuss für Telemedizin-Projekt oVID ist gefallen

30. April 2019 | Kategorien: Allgemein

(Quelle: www.medizin.uni-muenster.de) Ein bekanntes Problem: Eine Expertenmeinung ist gefragt und kein spezialisiertes Zentrum ist in Sicht. „oVID“, das offene Videossystem in der Medizin, soll in Zukunft Abhilfe leisten. Das Projekt strebt eine Vernetzung zwischen Ärzten verschiedener Fachdisziplinen, deren Patienten und weiteren Berufsgruppen per Video an. Doch nicht nur Videokonferenzen, auch Audiotelefonate und der digitale Austausch von Formularen sollen ermöglicht werden. Mit dem „Kick-off-Meeting“ im März ist der offizielle Startschuss für oVID gefallen: Die Stabstelle Telemedizin des Universitätsklinikums Münster (UKM) als offizielle Leitung des Projekts versucht bis August 2021 45 Kliniken in das System einzubinden.

Gegeben sei folgendes Szenario: ein Arzt, der in der Palliativmedizin tätig ist, muss mit einem Arzt des neurodegenerativen Bereichs Vorabbesprechungen vor dem Therapiebeginn des Patienten halten. Um einen solchen Prozess zu vereinfachen und beschleunigen, können diese per Videokonferenz kommunizieren. Vor allem im ländlichen Raum, außerhalb von spezialisierten Zentren ist oVID eine Hilfe: Man nehme an, ein Patient sucht einen Arzt auf, der wiederrum eine Expertenmeinung anfordern möchte. Das UKM ist ein überregionales Traumazentrum, bei dem sich die umliegenden ambulanten Vertreter, Praxen und auch Krankenhäuser in einem solchen Fall per oVID beim UKM „einwählen“ können – um dann die gewünschte Expertenmeinung einholen zu können.  Auf diese Weise sollen weniger Patienten verlegt und der medizinische Ablauf beschleunigt werden.

oVID ist ein interdisziplinäres Projekt – so also auch die beteiligten Abteilungen. Von Geburtshilfe, über Palliativmedizin bis hin zur Unfallchirurgie: in Münster sind insgesamt sieben Institutionen des UKM an oVID beteiligt. Diese arbeiten auf der Basis von bereits bestehenden technologischen Strukturen – wie der Videosprechstunde CGM ELVI. Die virtuelle Sprechstunde ist mit einem üblichen Videoanruf über das Internet zu vergleichen – nur, dass dies nun zwischen Arzt und Patient oder Ärzten verschiedener Fachrichtungen stattfindet.

Das Projekt wird mit rund zwei Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. oVID ist nach der ersten Einreichrunde des zweiten Wettbewerbsaufruf Teil des Leitmarktwettbewerbs Gesundheit.NRW. Dieser fördert neuartige Dienstleistungen und Projekt in der stationären Versorgung, vor allem auf digitaler Ebene – so wie oVID. Nach erfolgreicher Begutachtung durch Gesundheit.NRW wurde das interdisziplinäre Forschungsprojekt zur Förderung empfohlen: im Halbjahresrhythmus soll das Team um oVID in den kommenden zwei Jahren alle 45 Einrichtungen in das Netzwerk einbinden.


Das Projekt oVID – offenes Videosystem in der Medizin ist Teil der Landesinitiative eGesundheit. NRW. Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie hier