Rat und Rezept per Mausklick

11. Oktober 2018 | Kategorien: Allgemein, Zentrum für Telemedizin

Die Digitalisierung schreitet auch in der Medizin voran. Rainer Beckers, Geschäftsführer des ZTG, und Hämophilie-Experte Dr. med. Wolfgang Mondorf geben einen kleinen Überblick, wie Telemedizin bereits hilft.

Quelle: Themenbote Medizin – „Telemedizin ist eine Ergänzung zur üblichen Behandlung“, so Rainer Beckers, Geschäftsführer der „Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH“ (ZTG), Bochum. Ein Kompetenzzentrum, das die Entwicklung der Telemedizin in Deutschland vorantreibt. Er gibt Beispiele, wo sie sich bereits bewährt: „Videosprechstunden und Videovisiten bringen Arzt und Patient virtuell zusammen. Das ist hilfreich, wenn eine Konsultation nur mit viel Aufwand möglich ist, wie bei Pflegedürftigen.

Und mit Tele-Monitoring bekommen Ärzte erstmals die Möglichkeit, bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck durchgängig alle relevanten Daten aktuell zu sichten, was es leichter macht, eine Verschlechterung rechtzeitig zu erkennen.“ Damit kommt er zu einem aktuellen Projekt im Kompetenzzentrum, der Teleintensivmedizin mit dem Ziel, Blutvergiftungen bei Patienten auf der Intensivstation frühzeitig zu erkennen. Und schließlich zur Tele-Therapie, die in der Physio- und Sprachtherapie unterstützt. „Ist ein Patient nach einem Schlaganfall nicht mobil, kann er zum Beispiel die Übungen mithilfe eines Videos machen“, so Beckers. Eine Anwendung, die auch Hämophilie-Patienten helfen und eine smart medication per App ergänzen könnte. Ebenfalls interessant sei hier das Tele-Ultraschall, das Medizinern hilft, Muskelblutungen per Telekonsil abzuklären.

Telemedizin für Hämophilie

Was zu Dr. Wolfgang Mondorf führt. Der Frankfurter Arzt und Hämophilie-Experte ist Mitbegründer des gemeinnützigen Vereins zur Förderung der Telemedizin in der Hämostaseologie – VFTH e. V. „Wir leisten IT-Support sowie unabhängige Forschung und Entwicklung“, erklärt er die Aufgaben des Vereins. Dabei seien ihre Apps nur über ihren technischen Partner zu bekommen. „So sind die Daten der Patienten sicher“, wie Mondorf betont. „Mehrfach im Jahr setzen wir uns zusammen, um neue Anwendungen zu entwickeln.“ Gerade entstand eine Schmerzskala. „Damit bekomme ich als Arzt eine Info, die mir schnell hilft, das Problem einzuordnen. Liegt der Schmerz bei 8 oder 9 rufe ich sofort an, denn ich weiß, das ist schon schlimmer“, erläutert er und fährt fort: „Im Moment arbeiten wir an etwas, was trivial erscheinen mag, aber sehr wichtig ist: die Unterscheidung, ob eine Blutung spontan oder zum Beispiel beim Sport aufgetreten ist.“ Außerdem sei eine Schwellungs-Skala in Arbeit. Alle telemedizinischen Anwendungen des Vereins entstehen direkt aus der Hämophilie-Praxis heraus und werden von Arzt und Patient auf ihre Tauglichkeit geprüft. Viel Engagement also, gleichzeitig treiben Institutionen wie das ZTG die Entwicklung voran und Beckers hält abschließend fest: „Die Telemedizin nimmt auch in Deutschland langsam, aber sicher Fahrt auf.“

Themenbote Hämophilie und Lebensqualität das funktioniert