GOBSIS

Gewaltopfer-Beweissicherungs-Informationssystem

Wie eine repräsentative Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ, 2004) zur Gewalt gegen Frauen ergab, haben 40 Prozent der befragten Frauen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren körperliche und/oder sexuelle Gewalt seit dem 16. Lebensjahr erlebt. In ihrer gesundheitlichen, gesundheitspolitischen und gesundheitsökonomischen Dimension sind gewaltbedingte Gesundheitsschäden mit denen von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vergleichbar.

Frauen wenden sich nach Gewalterleben sehr häufig an Ärztinnen und Ärzte. Diese nehmen eine Schlüsselrolle bei der Betreuung von Menschen mit Gewalterfahrungen ein. Die ärztlichen Aufgaben umfassen Diagnostik, „gerichtsfeste“ Dokumentation und Spurensicherung sowie Beratung zu weiterführenden therapeutischen und psychosozialen Angeboten. Der „gerichtsfesten“ Dokumentation und Spurensicherung kommt gerade nach häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt große Bedeutung zu. Allerdings zeigen Betroffene die Tat häufig erst lange nach dem Geschehen an. Hilflosigkeit, Überforderung oder die Hoffnung, „alles wird wieder gut“ sind Gründe hierfür. Liegt dann keine „gerichtsfeste“ Dokumentation vor, die geeignet ist, die Traumatisierung der Patientin vor Gericht nach Art und Ausmaß zweifelsfrei zu belegen, kann im Extremfall ein Freispruch aus Mangel an Beweisen resultieren – unter Umständen mit der Folge einer massiven sekundären Traumatisierung der geschädigten Frau.

Projektziele

Um den geschilderten Problemen entgegenzuwirken gibt es in Nordrhein-Westfalen seit gut zehn Jahren Modelle und Ansätze einer gerichtsverwertbaren Befunddokumentation und Spurensicherung nach Gewalttaten, insbesondere Sexualstraftaten, die es Betroffenen ermöglichen, ohne direkte Anzeigenerstattung Beweissicherungen durchführen zu lassen. Auch GOBSIS beschäftigt sich mit dieser Thematik. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Gewaltopfer-Beweissicherungs-Informationssystems (GOBSIS), das alle Anforderungen an die Sicherstellung eines qualitätsgesicherten Systems zur vertraulichen Spurensicherung adressieren soll:

  • Sicherstellung einer „gerichtsfesten“ Dokumentation und Spurensicherung durch eine rechtsmedizinische „on-demand“ Beratung behandelnder Ärztinnen und Ärzte über eine professionelle Kommunikationsplattform in rechtssicherer und datenschutzkonformer Form
  • Sicherstellung der Archivierung der Befunde in einer Datenbank in rechtssicherer und datenschutzkonformer Form
  • Sicherstellung eines Transports von Asservaten in ein Institut für Rechtsmedizin mit (rechts)sicherer Dokumentation des Verbleibs der Asservate
  • Sicherstellung der Abrufbarkeit der Befunde/Asservate.

Projektlogo:
Gobsis_Logo_transp

Projektleitung:
Universitätsklinikum Düsseldorf
Dr. med. Britta Gahr
Kontaktdaten:
Institut für Rechtsmedizin
Gebäude 14.84
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstr. 5 :: 40225 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 81 19 364
Fax: 0211 / 81 015 19 364 o. 0211 / 81 19 366
E-Mail: Britta.Gahr@med.uni-duesseldorf.de
Projektwebseite: