Vorläufige IQWiG-Nutzenbewertung zum Telemonitoring kardialer Implantate: keine Nachteile gegenüber der Präsenzmedizin

20. September 2017 | Kategorien: Allgemein, Partner/Kooperationen

Anfang August veröffentlichte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die vorläufige Nutzenbewertung zum „Telemonitoring mithilfe von aktiven kardialen implentierbaren Aggregaten bei ventrikulärer Tachyarrhythmie sowie Herzinsuffizienz“. Bei den meisten Indikatoren konnten die in den Überblick einbezogenen Studien zwischen der Versorgung mit Telemonitoring und Präsenzmedizin keine signifikanten Unterschiede feststellen. Kurz gefasst kommt der Vorbericht zu dem Ergebnis, dass Telemonitoring als gleichwertig zur Präsenzmedizin gelten kann: „Hinsichtlich der Endpunkte Mortalität, Schlaganfall, kardiale Dekompensation, Herzinfarkt, therapiebedürftige Herzrhythmusstörungen, thromboembolische Ereignisse, Gesundheitszustand, herzinsuffizienzbedingte Morbidität, psychische Morbidität, Herztransplantation, Hospitalisierung und abgegebene Schocks zeigte sich kein Vor- oder Nachteil des Telemonitorings“ (IQWiG 2017: 22).

Für Rainer Beckers, Geschäftsführer der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH und DGTelemed-Vorstandsmitglied, können die Ergebnisse der vorläufigen Nutzenbewertung durch das IQWiG eine Weichenstellung für den Umgang mit Telemonitoring in der Gesundheitsversorgung darstellen. „Diese Vorstudie ist der beste Beleg dafür, dass das pauschale Prinzip der persönlichen Leistungserbringung bei der Abrechnung ambulanter Leistungen nicht mehr gerechtfertigt ist“, so Beckers. „Sie bestätigt den damaligen Ansatz des Gesetzgebers im 2012 in Kraft getretenen Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VStG), in dem der Bewertungsausschuss beauftragt wurde zu prüfen, in welchem Umfang ambulante telemedizinische Leistungen erbracht werden können.“ Wenn das Telemonitoring kardialer Implantate bei den wichtigsten Endpunkten zu gleichen Ergebnissen führt wie die Präsenzmedizin, so sollten beide Ansätze in gleicher Form honoriert werden, folgert Beckers: „Es spricht demnach nichts mehr dagegen, Ärzten und Patienten die Entscheidung selber zu überlassen, sich für oder gegen die Telemedizin zu entscheiden.“

Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung NRW und stellvertretender Vorsitzender der DGTelemed bedauert, dass wichtige Parameter bei der Auswertung der Studien nicht berücksichtigt werden konnten. „Die Ergebnisse zur Patientenzufriedenheit und Steigerung der Lebensqualität hätten die Relevanz der Studie beispielsweise deutlich erhöht.“ Studien zu digitalen Anwendungen müssten nach seiner Ansicht künftig nach einheitlichen und schlankeren Standards aufgebaut werden. „Wir erfinden schließlich keine neue Medizin, sondern schaffen nur neue Wege damit die Patienten vom modernsten Erkenntnissen und Behandlungsmethoden schnellstmöglich profitieren können.“

Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen und Vorstandsvorsitzender der DGTelemed, hofft in Zukunft auf eine bessere Datenlage für die telemedizinisch unterstützte Kardiologie. Als Beispiel führt er die Ergebnisse internationaler Studien zur Teleintensivmedizin an: „Die Verbesserung der Überlebensraten durch Teleintensivmedizin ist einzigartig. Weltweit konnte, trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung, mit keiner anderen Therapiemaßnahme eine auch nur annähernd vergleichbare Reduktion der Sterblichkeit der Sepsis erreicht werden“, berichtet Marx. „Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Studien im Bereich Telekardiologie eine ähnlich gute Datenqualität liefern, um Effizienz und Qualität der kardiologischen Versorgung langfristig mit Hilfe digitaler Vernetzung zu steigern.“

Die Vorstudie finden Sie auf der Website des IQWiG.

https://www.iqwig.de/