Ein Netzwerk für die Telemedizin – TELnet@NRW geht an den Start

8. März 2017 | Kategorien: Allgemein, Projekt-News

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Das durch Mittel des Innovationsfonds geförderte Projekt „TELnet@NRW“ verfolgt das Ziel, in den Modellregionen Aachen und Münster bzw. Münsterland ein sektorenübergreifendes telemedizinisches Netzwerk aufzubauen. Zentrales Element ist eine gemeinsame digitale Infrastruktur. Diese ermöglicht es, sichere Video-Audio-Verbindungen zwischen den einzelnen Einrichtungen aufzubauen, um in sogenannten Tele-Visiten schnell und datenschutzkonform Daten, Informationen und Dokumente austauschen zu können. Ärztinnen und Ärzte verschiedener Krankenhäuser sowie aus dem niedergelassenen Bereich haben die Möglichkeit, sich per Videokonferenz zu beraten und gemeinsam die bestmögliche Behandlung der Patientinnen und Patienten zu besprechen. Die beiden Universitätskliniken aus Aachen und Münster stehen dabei rund um die Uhr, d.h. 24h/7d, für Anfragen und Beratungen zur Verfügung. Durch die ortsunabhängige Verfügbarkeit von Expertenwissen der Spezialistinnen und Spezialisten des UK Münster und des UK Aachen sollen insbesondere Intensivpatientinnen und -patienten sowie solche mit schweren Infektionen profitieren. Das Projekt soll zeigen, inwiefern durch das telemedizinische Netzwerk eine wohnortnahe Versorgung sichergestellt und gleichzeitig die Qualität und Effizienz der Behandlung erhöht werden kann. Dafür werden in den nächsten drei Jahren rund 40.000 Patientinnen und Patienten in die Begleitstudie eingeschlossen.

Am Projekt nehmen als Konsortialpartner neben den Unikliniken aus Aachen und Münster 17 Krankenhäuser aus den Regionen Aachen und Münster, die Techniker Krankenkasse sowie die Ärztenetzwerke GKS Köln-Süd und MuM – Medizin und Mehr aus Bünde teil. Unterstützt wird das Projekt durch Kooperationspartnerschaften mit der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, der Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe sowie allen gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein-Westfalen. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird das Projekt von der Universität Bielefeld und der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH in Bochum.

In dieser Woche ist die offizielle Webseite zum Projekt online gegangen. Unter www.telnet.nrw finden Sie aktuelle Informationen zu Hintergründen, beteiligten Einrichtungen und Projektfortschritten.

Expertenstimmen aus dem „Forum Telemedizin“ der ZTG GmbH:

„Die Verbesserung der Überlebensraten durch Telemedizin ist einzigartig. Weltweit konnte, trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung, mit keiner anderen Therapiemaßnahme eine auch nur annähernd vergleichbare Reduktion der Sterblichkeit der Sepsis erreicht werden. TELnet@NRW wird ein sektorenübergreifendes und lebendiges Qualitätsnetzwerk schaffen unter dem Motto „Gemeinsam kompetenter“. Diese digitale Vernetzung wird in der Infektiologie und Intensivmedizin eine 24/7-Versorgung mit hoher Effizienz und Behandlungsqualität zum Wohle der Patientinnen und Patienten auch in der Zukunft sichern.“

Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen, Vorstandsvorsitzender der DGTelemed, Mitglied im „Forum Telemedizin“ der ZTG GmbH

„Das Projekt TELnet@NRW zielt auf eine flächendeckende Verbesserung der Behandlungsqualität. Hochspezialisiertes Expertenwissen wird für die Menschen zeitnah und überall verfügbar gemacht. Oft müssen Patientinnen und Patienten nicht mehr transportiert werden – die Expertise kommt zu ihnen. Ein erlebbarer Nutzen für die Menschen! Der Weg solch innovativer telemedizinischer Verfahren in die Regelversorgung wird jedoch noch immer durch aufwendige und oft nicht erforderliche Bewertungshürden behindert. Im „Forum Telemedizin“ der ZTG GmbH setzen wir uns daher für eine praktikable, schnelle Bewertung dieser Methoden ein und sprechen hierzu Empfehlungen aus.“

Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DGTelemed, stellvertretender Vorsitzender des ZTG-Aufsichtsrates, Vorsitzender des „Forums Telemedizin“ der ZTG GmbH

„Eine umfassende Evaluation ist ein zentrales Element des Projektes. Sowohl klinische als auch gesundheitsökonomische Parameter sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patientinnen und Patienten werden analysiert. Durch diese Methodik, die eine sowohl praktikable als auch qualitätsgesicherte Nutzenbewertung für telemedizinische Verfahren in der Infektiologie und Intensivmedizin ermöglicht, soll eine flächendeckende Etablierung der Tele-Visite realisiert werden – perspektivisch auch für weitere Anwendungsgebiete.“

Rainer Beckers, Geschäftsführer der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH (Geschäftsbereich Telemedizin), Mitglied im Vorstand der DGTelemed